ÄNGSTE VOR DEM VORSTELLUNGS- GESPRÄCH?
Ängste vor dem Vorstellungsgespräch?
Was dahinter steckt und wie deine Angst dich im Bewerbungsprozess nach vorne bringt.
Kategorie: actifyXperience
Autor:in: Katharina Berardi, Psychologin und Karrierecoach
Datum: 11.01.2024
Wenn wir die erste Hürde im Bewerbungsprozess genommen haben, wir eine Einladung zum persönlichen Kennenlernen in unser Mailpostfach vorfinden, ist die erste Reaktion meistens freudig. Besonders, wenn es ein Unternehmen ist, das uns sehr gut gefällt.
Unsere Hoffnung, den Job nun auch zu bekommen, wird ganz neu entfacht. Und meist gesellen sich neben Hoffnung und Freude weitere Gefühle dazu: Nervosität und ein gewisser Respekt, die Gegenüber im Vorstellungsgespräch „live und in Farbe“ von uns persönlich und unseren Fähigkeiten zu überzeugen.
Nervosität vs. Angst
Diese Gefühle gehören dazu und begleiten auch erfahrene Arbeitnehmer:innen im Bewerbungsprozess.
Manchmal kann sich das Gefühl der Nervosität aber in Ängste steigern, welche uns blockieren und uns daran hindern, Bewerbungen abzuschicken und im Vorstellungsgespräch ein authentisches Bild von uns abgeben zu können.
In unserer Coachingpraxis erleben wir, dass nicht wenige Menschen mit handfesten, ausgewachsenen Ängsten zu tun haben, wenn es in Richtung Vorstellungsgespräch geht. Vielleicht kennst du folgende Situationen:
- Du hast Bauchschmerzen, wenn du an dein letztes Vorstellungsgespräch zurückdenkst? Du glaubst, Vorstellungsgespräche sind einfach nicht „deins“?
- Du träumst eigentlich von einer beruflichen Weiterentwicklung, aber du vermeidest, den Bewerbungsprozess zu starten?
- Vor deinem inneren Auge laufen Horrorszenarien ab, in denen du im Gespräch mit deinem potenziellen neuen Arbeitgeber: innen deinen Kaffee umkippst, zu spät kommst oder keinen Ton herausbekommst?
- Deine Sorgen sind so groß, dass du in einem Job verharrst, obwohl er nicht (mehr) zu dir passt?
- Du „musst“ dich bewerben und möchtest eigentlich deinen Traumjob bekommen, und der Druck wird immer größer?
Ängste sind dein Schlüssel zu Entwicklung
Mit vielen Ängsten in Bezug auf ein Vorstellungsgespräch lässt sich sehr gut umgehen. Mehr noch: Ängste können dir sogar helfen, dich weiterzuentwickeln. Dafür brauchen sie aber den “richtigen Platz” in deinem inneren System.
Dieser Artikel ist der erste einer Reihe, die sich mit dem Thema „Vorstellungsgespräch authentisch und selbst-bewusst führen“ beschäftigen wird.
Wenn du in nächster Zeit Vorstellungsgespräche führen wirst, dann bleib gerne dran! 😊
Bevor wir loslegen: Der Artikel beschäftigt sich mit Tipps, die du ausprobieren kannst, wenn deine Ängste dich im Bewerbungsprozess blockieren. Wenn sich deine Angst in Panikattacken oder starkem Rückzug entwickelt hat, bleib mit deinen Symptomen bitte nicht allein – du musst das nicht aushalten. Du kannst bei deinem Hausarzt/ deiner Hausärztin einen Termin wahrnehmen, und gemeinsam zu beraten, wo du geeignete Unterstützung finden kannst.

Was genau steckt hinter deiner Angst?
Manche Bewerber: innen können gar nicht genau benennen, wo ihre Ängste eigentlich herkommen. Bei näherem Hinsehen wird oft deutlich, dass bestimmte Aspekte der Vorstellungssituation an Themen erinnern, die für die Person angstbesetzt sind. Wir haben dir ein paar Beispiele mitgebracht:
- Angst vor Bewertung. Die meisten Menschen haben schlechte Erfahrungen mit Bewertung von außen gemacht. Das Gefühl, sich im Vorstellungsgespräch „beweisen“ zu müssen, kann Druck aufbauen.
- direkt mit dem vorherigen Punkt verknüpft: die Angst, negatives Feedback zu bekommen. Das kann die Sorge sein, dass Gesprächspartner: innen Ablehnung zeigen oder sich sogar über uns lustig machen oder sogenannte „Stress-Fragen“ stellen.
- Insbesondere, wenn der Anforderungskatalog einer Stellenanzeige gelesen wird, verlässt viele der Mut und Zweifel kommen auf. Bin ich gut genug? Mehr noch: Kann ich überhaupt etwas so richtig gut? Manche haben die Sorge, überheblich zu wirken, gar „dreist“, wenn sie sich auf eine Position bewerben. Viele Menschen denken von sich selbst, dass sie keine besonderen Stärken und Fähigkeiten vorzuweisen haben. Wenn eine Einladung zum Vorstellungsgespräch kommt, kommen Gedanken auf, wie: “ich kann eigentlich nichts, und das wird jetzt im Gespräch rauskommen, ich schäme mich schon jetzt”.
- Der Umgang mit Absagen & Enttäuschungen – eine Bewerbung kostet Zeit, Mühe und ist mit Hoffnungen verbunden. Absagen gehören bei den meisten Bewerbungsprozessen jedoch dazu. Wenn eine Absage kommt, kann das richtig wehtun.
- Das Gefühl, dass die Situation unkontrollierbar ist. Manche haben das Gefühl, dass sie das Bewerbungsgespräch kaum lenken können und Rede und Antwort“ stehen müssen. Diese Unkontrollierbarkeit kann beängstigend sein.
Kannst du dich in einem oder mehreren Punkten wiederfinden? Wenn du deinen Ängsten auf den Grund gehen willst, kannst du einmal folgende Übungen ausprobieren:
- Wenn deine Angst sprechen könnte, was würde sie dir sagen?
- Wovor will sie dich schützen?
- Wofür ist sie gut?
Wenn du weißt, worum es geht, wird das Thema greifbarer. Wenn du den Zusammenhang zwischen deiner Angst und dem Vorstellungsgespräch entdeckt hast, kannst du gezielt an dem Thema arbeiten.
Ein Coaching kann dich hier unterstützen, indem du einen sicheren Rahmen bekommst, in welchem du dich auf dein Vorstellungsgespräch vorbereiten kannst.
Tipps, wie du mit Zuversicht in dein Vorstellungsgespräch gehst.
Erkenne deinen Einflussbereich und nutze ihn.
- Bewerber:innen, die bisher wenige oder unangenehme Vorstellungsgespräche erlebt haben, fühlen sich häufig unsicher und haben das Gefühl “auf das reagieren zu müssen, was da an Fragen kommt.”
Falls es dir ähnlich geht, sei dir sicher: Dein Einfluss, wie das Vorstellungsgespräch verläuft, ist sehr groß. Und du kannst dich vorab sehr gut vorbereiten!
- Mach dir bewusst, welche Stärken und beruflichen Erfahrungen du mitbringst. Welchen konkreten Mehrwert kannst du in der Stelle einbringen? Kommen deine Stärken schon in deinen Bewerbungsunterlagen zur Geltung? So kann dein Gegenüber schon an Punkten anknüpfen, die er über dich gelesen hat.
- Auch sehr gut vorzubereiten: Deine Selbstpräsentation. Es ist wahrscheinlich, dass du dich zu Beginn eines Gespräches vorstellst – hier kannst du schon deutlich machen, warum du dich für die Stelle begeisterst und deutlich machen, warum du die Anforderungen gut bewältigen wirst. Überlege dir zwei realevante Vorerfahrungen, die du hier einbringen kannst – so lenkst du den Fokus des Gesprächs hin zu deinen Vorzügen.
- Recherchiere ausführlich über das Unternehmen und deine Gesprächspartner: innen und stell dir aus den gesammelten Informationen sinnvolle Fragen zusammen, die du stellen kannst. Nutze die einmalige Chance, für dich relevante Informationen über die Tätigkeit, die Rahmenbedingungen und die Unternehmenskultur zu erfahren.
- Übe die Vorstellungssituation. Du kannst dich beispielsweise aufnehmen, wenn du deine Selbstpräsentation übst, oder Antworten auf häufige Fragen einüben - beispielsweise im Rollenspiel mit einem Freund/einer Freundin.
- Lege dir ein Outfit zurecht, in dem du dich wohlfühlst, das schweiß- und fleckenresistent ist. Hast du auch eine passende Tasche und geeignete Schuhe? Verbringe ruhig vorher mal einen Tag in deiner Kleidung, die du zum Vorstellungsgespräch tragen möchtest. So kriegst du ein Gefühl, ob die Materialien sich gut anfühlen.
- Den Weg zu deinem Vorstellungsgespräch kannst du so planen, dass du mit großer Wahrscheinlichkeit pünktlich bist.
Mach dir klar, dass beide Parteien unsicher sind.
Bewerben ist ein bisschen wie Daten – ein gewisses Maß an Unsicherheit besteht auf beiden Seiten. Wenn dein: e neue: r potenzielle: r Arbeitgeber: in dich zu einem Gespräch eingeladen hat, ist die Person erstmal schon von dir überzeugt.
Sofern du in deinen Bewerbungsunterlagen die minimal „aufgehübschte“ Wahrheit präsentierst, solltest du keine Bedenken haben, dass die Gegenseite dich prinzipiell nicht als fähig einstuft, die beworbene Stelle mit deinen Kompetenzen auszufüllen.
Im Bewerbungsgespräch geht es darum, dass ihr beide einen vertieften Eindruck voneinander bekommt – und eine informierte Entscheidung treffen könnt, ob ihr gut zueinander passt. Deine Aufgabe im Vorstellungsgespräch ist primär, herauszufinden, ob das Unternehmen dir, deinen Werten und beruflichen Vorstellungen weitestgehend entspricht. Gewissermaßen bewirbt sich das Unternehmen also auch bei dir. Dein Anspruch sollte sein, einen guten, aber auch einen realistischen Eindruck von dir zu liefern, damit auch die Gegenseite eine klare Einschätzung treffen kann, ob du zum Team, zum Unternehmen und der Aufgabenstellung der Position passt. Manchen hilft es, diese Perspektive einzunehmen, um etwas weniger panisch in das Vorstellungsgespräch gehen zu können.
Richte deine Aufmerksamkeit auf dein Gegenüber.
Was würdest du dir wünschen, wenn du und dein Date euch das erste Mal trefft? Sicher fändest du es angenehm, wenn die Person ehrliches Interesse an dir zeigt und aufmerksam zuhört, gute Fragen stellt und beim Gespräch fokussiert ist.
Dass er oder sie nervös ist, würdest du vielleicht sogar als Pluspunkt werten – immerhin zeigt es auch, dass der anderen Person die Situation nicht egal ist. Wenn ihr es beide geschafft habt, euch auf die Situation einzulassen und ehrlich miteinander sein konntet, kannst du nach dem Date halbwegs einschätzen, ob ihr ähnlich tickt.
Was kannst du daraus mitnehmen für dein nächstes Vorstellungsgespräch? Versuche, im Gespräch präsent zu sein, und du hast schon sehr viel gewonnen. Nutze die Chance, dass Unternehmen wirklich so gut es geht kennenzulernen – lenke deine Aufmerksamkeit weg von dir, hin zum Unternehmen. Was interessiert dich an dem Unternehmen und an der Stelle? Warum passt du gut zu den Anforderungen und welchen Mehrwert bringst du mit? Und: Auch wenn du dich gut vorbereitet hast, lass dich ein bisschen verzaubern – oder sieh es als Zeichen, wenn es im Vorstellungsgespräch „so gar nicht geklickt hat“. Du wirst viel Zeit mit deinem Job und deinen Kolleg:innen verbringen. Im Zweifel ist es besser, eine Absage zu erhalten oder zu geben, als in einem Job zu landen, der dich unglücklich macht und das Unternehmen Ressourcen kostet.
Fazit
Vorstellungsgespräche können sehr herausfordernd sein. Aus unserer Erfahrungen reduzieren sich Befürchtungen meistens, wenn wir im Rahmen eines Coachings hinter die Ängste schauen und wir den Fokus auf eine gute Vorbereitung lenken. Viele Coachees können so gestärkt in ihre Vorstellungsgespräche gehen. Wenn du dir Unterstützung wünschst, scheue dich nicht, uns zu kontaktieren und dich zu unseren Coachingangeboten beraten zu lassen.
Und freu dich auf nächste Woche: Wir teilen Tipps, wie du schwierige Akutsituationen im Vorstellungsgespräch meistern kannst.
Herzliche Grüße
Deine Katharina

Über die Autorin:
Katharina ist Psychologin und arbeitet bei uns als Karrierecoach. Aus der Coachingspraxis weiß sie, vor welchen Herausforderungen Arbeitnehmer:innen und Arbeitsuchende im Berufsleben und im Bewerbungsprozess stehen. In Ihren Beiträgen teilt sie hilfreiche Impulse, die dich deiner beruflichen sowie persönlichen Zufriedenheit näher bringen können.
