JOBCRAFTING
Jobcrafting –
3 Beispiele, wie Du deinen Arbeitsplatz optimierst
Kategorie: actifyXperience
Autor:in: Katharina Berardi, Psychologin und Karrierecoach
Datum: 26.10.2023
Im letzten Blogpost ging es darum, welche Fragen du dir stellen kannst, wenn du in deinem Berufsleben vor der Entscheidung stehst: Gehen oder bleiben?
Wenn ein Jobwechsel für dich akut kein Thema ist, ist unser heutiger Artikel besonders interessant für dich. Denn: Wer im Beruf zufrieden sein möchte, darf die Auseinandersetzung mit der eigenen beruflichen Situation als fortlaufenden Prozess verstehen. Um langfristig motiviert zu bleiben, ist es immens wichtig, die eigenen beruflichen Bedürfnisse zu kennen und vorhandene Gestaltungsspielräume zu nutzen.
Jobcrafting ist eine Methode, welche durch die Organisationspsychologinnen Amy Wrzesniewsk und Jane Dutton1 geprägt wurde. Der Begriff fasst verschiedene Möglichkeiten zusammen, um den eigenen Arbeitsplatz zu gestalten.
Was genau bedeutet Jobcrafting?
Der Begriff Crafting kommt aus dem Englischen und meint so viel wie „herstellen“. Jobcrafting kann in seiner Bedeutung mit „den eigenen Arbeitsplatz basteln“ übersetzt werden. Die Methode umfasst drei Bereiche, welche aktiv durch Arbeitnehmer:innen gestaltet werden können:
1. Task crafting
Task crafting umfasst deine Aufgaben, mit denen du im beruflichen Kontext zutun hast.
2. Relational crafting
Relational crafting beinhaltet die Art, wie du deine Arbeitsbeziehungen angehst.
3. Cognitive crafting
Cognitive crafting meint deine Fähigkeit, deiner eigenen Arbeit einen Sinn zu verleihen.
Sowohl die Rahmenbedingungen deiner Tätigkeit als auch die Offenheit deines Arbeitgebers bestimmen deine Gestaltungsspielräume natürlich mit. Dennoch lohnt sich der genaue Blick auf alle drei Bereiche, um deinen Job bestmöglich auf Dich zuzuschneiden.
An der Stelle kannst Du zudem einige überzeugende Argumente mitnehmen, sollte Jobcrafting in deiner Firma noch Neuland sein. Organisationen, die Jobcrafting bereits als festen Bestandteil eines erfolgreichen HR-Managements verstehen und entsprechende Strukturen für Ihre Mitarbeiter:innen zur Verfügung stellen, leisten einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Mitarbeiterinnengesundheit.
Das Erleben von Selbstwirksamkeit in der eigenen Arbeit erhöht die intrinsische Motivation, sorgt für weniger Frust und mehr Freude an der Arbeit. Zudem arbeiten Teams, in welchen Mitarbeiter:innen nach ihren Stärken und Vorlieben orientiert arbeiten, effizienter und gewinnbringender zusammen. Aufgaben können passgenau so vergeben werden, dass das Potenzial eines jeden Einzelnen zur optimalen Ergebnislieferung ausgeschöpft wird.

Übrigens💡
Wenn du Jobcrafting für dich nutzen willst, benötigst du Gewissheit über deine eigenen Stärken und Bedürfnisse. In unseren Persönlichkeitsanalysen erhältst du einen detaillierten Einblick, welche Fähigkeiten du mitbringst, in welchen Kontexten du dich besonders wohlfühlst, wie du kommunizierst und welche Motive dein Handeln antreiben. Wenn du den Grundstein für deine berufliche Zufriedenheit legen willst, kann eine Persönlichkeitsanalyse ein nachhaltiger Schritt hin zu einer Karriere sein, die wirklich zu dir passt. Die von uns genutzten Persönlichkeitsanalysen sind wissenschaftlich evaluiert und liefern aussagekräftige Ergebnisse, auf deren Basis du wirklich gute Entscheidungen treffen kannst.
Beispiele, wie Du Jobcrafting nutzen kannst
Damit deine Gestaltungsspielräume für dich greifbarer werden, haben wir für dich drei Beispiele aus der Praxis zusammengestellt. Jedes Beispiel zeigt einen individuellen Weg, wie Jobcrafting genutzt werden kann. Du kannst dich von den Beispielen inspirieren lassen und zudem die Reflektionsfragen nutzen.
Hinweis: Die Beispiele kommen aus der Praxis, Namen und Umstände wurden von der Autorin verändert.
Beispiel 1: Task crafting
Situation:
Lisa ist seit drei Jahren als Bürokraft in einer kleinen Agentur angestellt. Ihr Job macht ihr Spaß und sie fühlt sich wohl. Da sie schon mehrere Jahre Berufserfahrung mitbringt, erledigt sie ihre Bürotätigkeiten routiniert und ist oft schon mittags fertig. Sie hat dann nicht mehr „so richtig“ was zu tun. Sie merkt, dass sie sich öfters langweilt und nicht so richtig weiß, was sie mit ihrer Zeit anfangen soll.
Mögliche Lösung:
In der nächsten Teamsitzung spricht Lisa konkret an, dass sie gerne neue Aufgaben annehmen möchte und Kapazitäten frei hat. Da sie das Unternehmen gut kennt, kann sie sich vorstellen, neue Mitarbeiter:innen an die Hand zu nehmen und eine Art „Buddy“ für die ersten 100 Tage im neuen Job zu sein. Ihr Team sowie ihre Chefin sind von ihrem Vorschlag begeistert. Lisas Vorgesetzte schlägt ihr zusätzlich vor, an den nächsten Bewerbungsgesprächen teilzunehmen, da aktuell Neueinstellungen anstehen. Lisa ist begeistert und überlegt gleich, auf welche Fragen es im Bewerbungsgespräch besonders ankommt.
Impuls zum Mitnehmen:
Task crafting umfasst deine Aufgaben im Job. Du kannst dir hier mehrere Aspekte ansehen:
- Welche Aufgaben fallen mir schwer?
- Welche besonders leicht? Warum?
- Welche Aufgaben kann ich eventuell weglassen (wie die berühmten Protokolle, die keiner liest)?
- Welche Aufgaben, die ich als unangenehm empfinde, kann eine Person aus dem Team übernehmen, der/dem die Aufgabe leicht(er) fallen?
- Können wir Aufgaben im Team rotieren lassen?
- Habe ich Aufgaben angenommen, die gar nicht in meinen Arbeitsbereich fallen?
- Bin ich mit den Aufgaben glücklich, oder will ich Aufgaben wieder loswerden?
- Möchte ich etwas neues Lernen?
- In welchen Bereich des Unternehmens möchte ich Einblick gewinnen, den ich bisher noch nicht kenne?
Beispiel 2: Relational crafting
Situation:
Petra arbeitet in einem Supermarkt als Filialleiterin. Bei den jährlichen Gesamtleitungssitzungen fällt ihr auf, dass sie oft die einzige weibliche Person ist. Viele der Mitarbeiter:innen, die „an der Basis“ arbeiten, sind Frauen. In den Leitungspositionen finden sich jedoch überproportional viele Männer. Petra ärgert sich, da sie durch die Gespräche mit ihren Kolleg:innen weiß, dass viele die Erfahrung und das know how für eine Führungsposition mitbringen, sich den Schritt zur Führungskraft aber nicht zutrauen. Sie wünscht sich mehr Kolleg:innen auf Leitungsebene, mit denen sie sich austauschen kann.
Mögliche Lösung:
Petra möchte sich gerne in der Förderung von weiblichen Führungskräften engagieren. Sie gründet ein firmeninternes Mentorenprogramm für Frauen in Führung. Ihr Arbeitgeber unterstützt ihre Idee und setzt das Ziel, bis 2025 mindestens 30 % der Führungspositionen durch Frauen zu besetzen. Petra wird durch von der regionalen Gleichstellungsbeauftragte zu einem Vortrag eingeladen, um über ihr Mentorenprogramm zu berichten.
Impulse zum Mitnehmen:
Reflektiere im Hinblick auf Relational crafting die Beziehungen, die du im beruflichen Kontext eingehst. Petra hat in unserem Beispiel bewusst ihren Einfluss genutzt, um anderen Frauen den Weg zu ebnen und zudem ihrem Bedürfnis nach Austausch näherzukommen. Frage dich:
- Mit wem arbeite ich gerne zusammen und warum?
- Welche Kolleg:innen sagen mir weniger zu?
- Wie offen bin ich für die Themen meiner Kolleg:innen?
- Wünsche ich mir mehr Nähe oder mehr Distanz?
- Wie kommuniziere ich im Beruf?
- Will ich mehr oder weniger Abgrenzung zwischen meinen privaten und beruflichen Beziehungen?
- Wie kann ich mit Kolleg:innen aus anderen Bereichen in Kontakt kommen und was verspreche ich mir davon? Welche Netzwerke bietet mein:e Arbeitgeber:in an, oder kann ich selbst eines gründen?
Beispiel 3: Cognitive crafting
Situation:
Jonathan macht eine Ausbildung im Bereich Landschafts- und Gartenbau. Er liebt seine Tätigkeit, da er gerne draußen ist und ihm der Umgang mit Pflanzen viel Freude bereitet. Zuhause tobt er sich in seinem Garten aus. Er hat sehr klare Vorstellungen, was für ihn ein harmonisch angelegtes Beet ausmacht und welche Gesamtoptik er sich vorstellt. Die Stadt vergibt an seinen Ausbildungsbetrieb häufig Aufträge, die weder den Vorstellungen noch dem Fachwissen von Jonathan entsprechen. Er empfindet kaum Freude und Sinn, den hundertsten Baum in eine langweilige und seinem Empfinden nach wenig ästhetische Form zu stutzen.
Mögliche Lösung:
Jonathan betrachtet das Baumstutzen aus verschiedenen Perspektiven. Zum einen kann er für sich feststellen, dass viele Menschen einen angelegten Park mit gestutzten Bäumen als schön empfinden und sich daran erfreuen. Das gibt auch Jonathan Antrieb, seine Arbeit gut zu machen. Zudem kann er sehen, dass das Stutzen von Bäumen eine Fertigkeit ist, die er später braucht, um sich selbstständig zu machen. Die Aussicht, dass er später einen anderen Schwerpunkt in seiner Arbeit setzen kann, er aber gleichzeitig das akkurate Baumstutzen beherrscht, um es in seinem Portfolio aufzunehmen, beflügelt ihn.
Impulse zum Mitnehmen:
Durch Cognitive Crafting verleihst du deiner eigenen Arbeit Sinn. Betrachte hierzu eine mitunter ungeliebte Tätigkeit aus verschiedenen Perspektiven.
- Welchen Sinn macht die Bewältigung dieser Aufgabe im Gesamtkontext?
- Welches große Ziel verfolgst du in deiner Karriere?
- Welchen Nutzen haben andere davon, wenn du diese Tätigkeit gewissenhaft erledigst?
- Welchen Nutzen bringt das Erlernen dieser Kompetenz mit sich?

Fazit
Job crafting ist eine tolle und vielseitige Möglichkeit, dich selbst als Gestalter:in deiner Arbeit zu verstehen und dein ganz persönliches Potenzial auszuleben. Jobcrafting gelingt besonders gut, wenn du deine eigenen Fähigkeiten und Vorstellungen kennst, um deinen optimalen Arbeitsplatz zu kreieren. Wir bieten dir in unseren Karrierecoachings Impulse, um deine berufliche Zufriedenheit zu erreichen. Klicke hier 👇 um dich über unsere Angebote zu informieren.
Email an die actifyX Coaches
Über die Autorin:
Katharina ist Psychologin und arbeitet bei uns als Karrierecoach. Aus der Coachingspraxis weiß sie, vor welchen Herausforderungen Arbeitnehmer:innen und Arbeitsuchende im Berufsleben und im Bewerbungsprozess stehen. In Ihren Beiträgen teilt sie hilfreiche Impulse, die dich deiner beruflichen sowie persönlichen Zufriedenheit näher bringen können.
Quellen:
1 Amy Wrzesniewski, Jane E. Dutton: Crafting a Job: Revisioning Employees as Active Crafters of Their Work. In: The Academy of Management Review. Vol. 26, No. 2 (April 2001), S. 179-201
2 Thiele, C. (2023). Was nützt Job Crafting – für Einzelne, Teams, Organisationen: Studienergebnisse Forschung Job Crafting/Positive Psychologie. In: Job Crafting. essentials. Springer Gabler, Wiesbaden.
Zum Reinhören: Podcast “Positiv Führen” von Christian Thiele Folge 53 “Job Crafting – was es ist, bringt und wie und wieso Führung es fördern sollte”
