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WAS UNS DER WINTER ÜBER RESILIENZ AM ARBEITSPLATZ BEIBRINGEN KANN
Kategorie: actifyXperience
Autor:in: Katharina Berardi, Psychologin und Karrierecoach
Datum: 07.12.2023
Der letzte Monat des Jahres 2023 ist angebrochen – und zeitgleich unser actifyXperience - Adventskalender, der 24 Türchen mit Tipps und Inspirationen zum Thema Resilienz für dich bereithält.
In wenigen Wochen ist Weihnachten, für viele Menschen eines der wichtigsten Feste im Jahr, das im Kreis von Familie und Freunden gefeiert wird. Neben aller Gemütlichkeit, welche die kalte Jahreszeit mit sich bringt, ist der Winter und im Besonderen die Vorweihnachtszeit für viele mit einigen Herausforderungen verbunden.
Draußen ist es frostig und früher dunkel, was Einigen zu schaffen macht. Mitunter sogar so weit, dass Personen anfälliger sind, im Winter depressive Episoden zu erleben. Manche von uns setzen für sich zudem hohe Maßstäbe, eine „perfekte“ Vorweihnachtszeit zu gestalten.
Dazu gehört selbstredend ein harmonisches, bilderbuchartiges Weihnachtsfest. Aber vermeintliche oder reale Erwartungen in der Weihnachtszeit erfüllen zu wollen, kann das Stresslevel in die Höhe treiben. Geschenke wollen besorgt, Weihnachtsfeiern besucht, Einladungen verschickt und Plätzchen gebacken werden.
Es ist ein Dilemma: Wir wollen zum einen die entspannten Momente, die uns in der Werbung als nahezu magisch präsentiert werden. Auf der anderen Seite hecheln wir durch unseren Alltag, und fühlen uns am Ende schlecht, weil wir so gehetzt sind. Resilienz ist ein Begriff, der die psychische und physische Widerstandsfähigkeit eines Menschen beschreibt. Diese Fähigkeit wünschen wir uns gerade in turbulenten Zeiten ganz besonders.
Die gute Nachricht ist, dass Resilienz nicht angeboren oder völlig willkürlich verteilt ist. Es gibt viele Strategien, um die eigene Resilienz zu stärken. Der Blog wird sich im Dezember mit den verschiedenen Säulen der Resilienz beschäftigen, die wir uns gezielt aufbauen können, wenn wir etwas für das „Immunsystem der Seele“ tun wollen. Aber wie sollen wir uns in all dem Trubel jetzt auch noch mit Resilienz beschäftigen?
Die Natur als Vorbild
Kann das nicht bis ins neue Jahr warten? Natürlich, aber die gegenwärtige Zeit bietet sich hervorragend an. Nur auf eine etwas andere Art, als du vielleicht vermutest.
Zunächst einmal ein kleines Gedankenspiel: denke einmal an die Natur und die Begebenheiten der winterlichen Jahreszeit. Wenn wir die Tier- und Pflanzenwelt beobachten, sehen wir: Tiere igeln sich ein, manche machen Winterschlaf, manche leben von ihren Vorräten oder kommen mit dem kargeren Nahrungsangebot zurecht. Die meisten Tiere versuchen, energiesparend über die Monate zu kommen. Kein Tier wird sich denken: Ach herrje, jetzt im Winter, da sollte ich aber genauso energetisch sein wie im Sommer. Im Winter herrscht nicht die Fülle der Sommerzeit oder der Aufschwung des Frühlings, auch die Erntezeit des Herbstes ist vorüber. Viele Bäume haben ihre Blätter komplett abgeworfen, Pflanzen verlieren ihre Blüten und ziehen sich in die Erde zurück. Durch Schnee und Eis ist alles stiller, fester, Wasser hat seine Form von fließend zu ruhend eingenommen. Die Natur scheint eine Pause einzulegen. Eine Pause, in der sie regeneriert, in der sie Platz macht für Neues und Altes bewahrt. In der sie innehält. Ist es vor dem Hintergrund nicht fast ein bisschen irre, dass für uns der Dezember häufig mit einer der anstrengendsten und dichtesten Monate im Jahr ist?
Neben den sozialen Verpflichtungen bricht auch im Arbeitsleben oft die Idee aus, „dieses und jenes noch vor Jahresende“ fertig zu bekommen. Weihnachten soll möglichst mit dem befriedigenden Gefühl von „alles erledigt“ stattfinden.
Auch, wenn es uns unser Alltag schnell vergessen lässt: Wir sind – wie alles Leben um uns herum - zyklische Wesen. Wesen, die nicht dafür gemacht sind, 365 Tage im Jahr in voller Produktivität zu leben. Wesen, die vom Rhythmus der Jahreszeiten sowie den zyklischen Abläufen in unseren Körpern beeinflusst werden. Fast schon absurd erscheint da die Idee, dass wir immer und jederzeit gleichbleibend Energie zur Verfügung haben können. Inspiriert von der Natur und der Qualität der Jahreszeit Winter, soll der heutige Artikel im Zeichen der Langsamkeit und des Bedachts stehen: Bevor wir etwas „dazutun“ in Form von Wissen und Ausprobieren, soll der erste Artikel in diesem Dezember dich zu folgender Idee anregen:
Was kannst du weglassen?
Deine Not-to-do-Liste
Wenn du den Gedanken vom Weglassen ein wenig sacken lässt, kann er dir richtig Freude bringen. Besonders viel Spaß kann das Schreiben einer Not-to-do-Liste machen.
Hierzu beobachtest du aufmerksam deinen beruflichen und privaten Alltag und fragst dich, welche Konsequenz es haben würde, wenn du eine Aufgabe weglässt oder abgibst.
Zugegebenermaßen gibt es einige Aufgaben, die uns stressen, die aber erledigt werden müssen und nicht abgegeben werden können. Aber gerade in der stressigen Vorweihnachtszeit tendieren wir dazu, uns zu viel vorzunehmen und nicht mehr gesunde Prioritäten zu setzen. Negativer Stress, der zu Kopfschmerzen, Erschöpfung und Emotionsausbrüchen führt, entsteht häufig durch ein „zu viel“.
Ein zu viel an Aufgaben, die wir nicht gerne tun. Von denen wir denken, dass wir keine Wahl haben, außer sie zu erledigen. Oder ein zu viel im Sinne von der schieren Masse: an Projekten und Meetings, schnell gemachten Zusagen und Interaktionen, sodass wir am Ende völlig überflutet sind von den Ereignissen.
Schreibe dir also Aufgaben und Verabredungen, oder die du nicht mehr tun willst, auf deine Not-to-do-Liste. Wunderbar kannst du auch Verhaltensweisen oder Gedankenmuster dazupacken, die du nicht mehr haben willst. Hake die Liste genauso ab, wenn du erfolgreich im Weglassen warst.


Aus der Winterzeit lernen
Unsere eigenen Kapazitäten und Grenzen einschätzen zu können, ist im Übrigen das gesamte Jahr über eine Fähigkeit, die vor allem im Job sehr wertvoll ist.
Wenn du deine Arbeit dauerhaft gesund, in guter Qualität und ohne übermäßige Überstunden erledigen möchtest, kann Reduktion auf das Wesentliche hilfreich sein.
Wenn du dazu neigst, dich nicht nur im Dezember zu überfordern, kannst du regelmäßig reflektieren, ob du zu viele Aufgaben bei dir hast.
Hier sind 4 Quicktipps...
die hilfreich sein können (mit kleinen Weihnachtsbeispielen 🎄😊):
1. PRIORITÄTEN SETZEN
Was ist wirklich wichtig? Welche Aufgaben bringen welchen Effekt im Ergebnis? Welche Meetings gestalten wir und können die Personen, die daran teilnehmen, auch wirklich etwas zum Thema beisteuern? Welche Unternehmensziele verfolgen wir? Die Prioritäten und Ziele deiner persönlichen Arbeit als auch die deiner Firma zu kennen, ist sehr wichtig.
Weihnachtstipp 🎁
Setze drei Punkte fest, die unbedingt zu deinem Weihnachtsfest dazugehören. Ein geschmückter Baum, eine Kerze auf dem Tisch und ein Geschenk pro eingeladene Person beispielsweise. Alles andere (Farbe des Geschirrs, welcher Kerzenhalter, welche Schleifenart die Geschenke ziert, ob das Essen komplett selbstgemacht oder vom Catering kommt) sind Dinge, die du je nach Kapazitäten und Lust gestalten kannst.
2. Aufgaben verteilen und/oder delegieren
Viele berufliche Verpflichtungen müssen erledigt werden, unabhängig davon, ob wir die Tätigkeiten mögen oder nicht. In der Regel seid ihr aber nicht alleine verantwortlich. Meistens hast du ein Team, das mit dir an den Unternehmenszielen arbeitet. In jeder Firma gibt es immer wieder einmal Zeiten, in denen es mehr zu tun gibt. Wenn du aber prinzipiell zu viele Aufgaben bei dir hast, die du in deiner Arbeitszeit nicht schaffst, dann gehe offen in die Kommunikation. Gehe mit deiner Führungskraft ins Gespräch, wenn du dauerhaft überlastet bist. Sie kann dich unterstützen, mit Kolleg:innen zu besprechen, wer welche Aufgaben hat und wer Aufgaben kurz- oder langfristig übernehmen kann. Besonders effektiv arbeitet ihr, wenn ihr die Aufgaben stärkenbasiert verteilt.
Eine schöne Weihnachtsübung 🌟
Schreibt doch mal für euch gegenseitig auf, wer was besonders gut kann und woran ihr das merkt. Weihnachtstipp: Schreibe alle Aufgaben auf, die rund um das Fest anfallen. Wer kann bei euch was erledigen? Kann dein:e Partner:in Aufgaben übernehmen? Deine Kinder? Welche Aufgaben sind für wen leichter oder eher schwerer zu erledigen?
3. Effektiv mit Kapazitäten umgehen
Wenn Kolleg:innen mit einer Aufgabe auf dich zukommen, musst du nicht sofort zusagen. Es ist eine wertvolle Kompetenz, wenn du deine eigenen Kapazitäten einschätzen lernst und dann entscheidest, ob du eine weitere Aufgabe annehmen kannst. Falls nicht: Du kannst dir Sätze zurechtlegen, mit denen du höflich, aber bestimmt absagen kannst. Oder du verweist darauf, die Aufgabe zu übernehmen, sobald du mehr Luft hast.
Weinachtstipp 🎄
Du darfst für dich überprüfen, welche Verpflichtungen du in der Weihnachtszeit annehmen möchtest. Es stresst dich, alle Verwandten an Weihnachten nacheinander zu besuchen? Überlege, ob es eine andere Möglichkeit gibt. Der Besuch deiner Familie in den eigenen vier Wänden macht dir schon Tage vorher Bauchschmerzen? Vielleicht geht ihr dieses Jahr ins Restaurant.
4. Definition of Done
Wenn Du sehr perfektionistisch an Aufgaben und ihre Erledigung rangehst, kennst du vielleicht den inneren Druck, eine Aufgabe als fertig anzusehen. Viele Prozesse sind so strukturiert, dass man an vielen Stellen „noch einen draufsetzen“ kann. Da kann dir folgender Tipp helfen: Setze dir vor der Umsetzung einer Aufgabe eine Definition, wann du sie als „erledigt“ einstufst. Im Arbeitskontext kann es auch für euch als Team hilfreich sein, wenn ihr für bestimmte Aufgaben festlegt, wann sie als fertig gelten. Somit lauft ihr nicht Gefahr, euch zu verheddern – und habt dennoch einen gemeinsamen Qualitätsanspruch sichergestellt.
Weihnachtstipp ☃️
Manche machen sich großen Stress mit den alljährlichen Geschenke-Besorgungen. Eine Definition of Done kann hier so aussehen: Du legst für deine Familie fest, dass die Qualität des Schenkens nicht in der Masse liegt, sondern darin, ob der oder die Beschenkte die Wertschätzung spürt, die hinter dem Geschenk steckt. Die Geschenke-Mission ist erfüllt, wenn jeder in der Familie ein Geschenk in der Hand hält, dass das jeweilige Familienmitglied auspacken kann. Möglich wäre auch, festzulegen, dass die Erwachsenen einer Familie sich gemeinsame Zeit schenken und die Kinder ein Geschenk von je einem Großelternpaar und den Eltern bekommen.
Fazit
Wir hoffen, dass dir unser heutiger Artikel mit Ideen zu mehr Reduktion von Stressoren im Alltag gefallen hat. Der Dezember steht hier im Blog ganz im Zeichen von Resilienz.
Sich selbst nicht konstant zu überfordern, ist ein wichtiger Teil resilienter Verhaltensweisen.
Entdecke die kommenden Wochen mit uns, was du tun kannst, um das Immunsystem deiner Seele zu stärken. Folge uns dazu auf LinkedIn oder Instagram, wenn du tägliche Inspirationen zum Thema erhalten möchtest.
Wenn du dir gezielte Unterstützung wünschst, informiere dich gerne über unser umfangreiches Coaching-Angebot.

Über die Autorin:
Katharina ist Psychologin und arbeitet bei uns als Karrierecoach. Aus der Coachingspraxis weiß sie, vor welchen Herausforderungen Arbeitnehmer:innen und Arbeitsuchende im Berufsleben und im Bewerbungsprozess stehen. In Ihren Beiträgen teilt sie hilfreiche Impulse, die dich deiner beruflichen sowie persönlichen Zufriedenheit näher bringen können.
